Zino Wey

DAS LEIDEN ANDERER BETRACHTEN

von Susan Sontag

Premiere am 26. November 2014 in der Spielhalle der Münchner Kammerspiele
Mit: Annette Paulmann
Regie: Zino Wey
Ausstattung: Davy van Gerven
Raum: Bettina Pommer
Dramaturgie: Matthias Günther


In ihrem Essay „Das Leiden anderer betrachten“ von 2003 beschäftigt sich Susan Sontag mit dem Thema der Kriegsfotografie. Sie rekapituliert deren historische Entwicklung vom Spanischen Bürgerkrieg bis Afghanistan, beschreibt die unvergesslichen Bilder bedeutender Fotografen und stellt die zentrale Frage: Was löst der Anblick eines leidenden Menschen im Betrachter aus?


Zuschauer bei Katastrophen sein, die sich in einem anderen Land ereignen, ist eine durch und durch moderne Erfahrung. Kriege das sind inzwischen auch Bilder und Töne, die uns im Wohnzimmer erreichen, Informationen über etwas, das anderswo geschieht. – „If i bleedes, it leads“ (Blut zieht immer), lautet seit jeher die Faustregel der Massenpresse und der Nachrichtenkanäle, die rund um die Uhr ihre Schlagzeilen versenden –, und bei jedem Unheil, das ins Bild kommt verspürt der Zuschauer Mitleid oder Empörung, Sensationskitzel oder Zustimmung. Die Vorstellung von einem Leiden, das sich in einer Anzahl ausgewählter, anderswo stattfindender Kriege nach und nach anhäuft, ist ein Konstrukt. Vor allem in der Form, in der Kameras dieses Leiden festhalten, wird es für einen kurzen Augenblick sichtbar und verschwindet dann wieder aus dem Blick.

TRAILER

Fotos: Judith Buss


Built with Berta.me